125 Jahre Musikverein Baden-Lichtenthal e. V.

Unsere Chronik ...

... aufgeschrieben von Ansgar Gernsbeck

120 Jahre Musikverein Lichtenthal e. V.

Viele Jahrzehnte liegen zwischen der Gründung des Vereins und dem Festakt am 24. Mai 2014. Denn als sich am 24. Juni 1894, unter der Leitung des Berufsmusikers Robert Bräunlich, zehn Musiker in Lichtental trafen, um eine erste gemeinsame Probe durchzuführen, konnten Sie nicht ahnen, welchen Grundstein sie da legten. Bereits am 19. August 1894 beschlossen 44 Männer aus Lichtental in der Brauerei Heck, dem heutigen Hotel Leidinger in der Lichtentaler Allee 88, einen Lichtentaler Musikverein zu gründen. Eben in dieser Brauerei erfolgte dann am 8. September 1894 die formelle Gründung des Musikverein Baden-Lichtenthal. Die Euphorie der Anfangsjahre endete bei der Generalversammlung im Mai 1902 fast in der Auflösung des Vereins. Mit nur noch sechs Musikern war man nicht mehr spielfähig und man beschloss die Vereinsarbeit ruhen zu lassen. Das Hauptproblem am Anfang des Vereins war, dass die Gründungsväter, die den Verwaltungsrat bildeten keine Musiker waren und faktisch, sich eine Musikkapelle zum eigenen Nutzen hielten. Im Jahr 1904 wurde der Verein dann durch aktive Musiker wiederbelebt. Der Grundsatz, dass nun auch die Musiker im Verwaltungsrat mitwirkten, wurde beibehalten und ist ein Grundstein dafür, dass der Verein bis heute existiert. Gottes Segen begleitete die Musiker im Ersten Weltkrieg. Alle Aktiven, die im Jahr 1914 musizierten, konnten 1919 in die neue Epoche starten.

Nach kurzen Wirrungen im Jahr 1927, man plante eine eigene Musikkapelle in Oberbeuern, folgte im Jahr 1929 ein musikalisches Highlight. Der Musikverein wirkte im Rahmen der Tage der deutschen Kammermusik, heute unter den Donaueschinger Musiktagen bekannt, im Theater Baden-Baden beim „Lehrstück“ von Weill und Brecht mit. Dass gerade dieses Stück im Jahr 2014 am Theater Baden-Baden, in Kooperation mit den Berliner Philharmonikern, eine Wiederauflage erfährt, und der Musikverein Baden-Lichtenthal nach 85 Jahren wiederum mitwirkt, ist für die Aktiven der Trachtenkapelle gelebte Geschichte. Während des zweiten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben weitgehendst. Ehedem hatte es sich der Verein bei den politisch Verantwortlichen verscherzt, weil man 1938 Courage zeigte und sich nicht, wie gewünscht, der SA einverleiben ließ. Mit einem großen Fest feierte man im Jahr 1949 die Rückkehr von Kriegsgefangenen.

Nach den Wirrungen der Anfangsjahre ist das Vereinsleben bis heute stark von Verlässlichkeit der handelnden Personen geprägt. Mit August Buschert im Jahr 1953 wurde erstmals das Amt eines Musikervorstandes besetzt. Im Jahr 1962 begann die bis heute andauernde Amtszeit von Günter Koppe als Vereinskassier und Franz Bernhard steht seit Jahrzehnten dafür, dass beim Musikverein, bis zum heutigen Tag, jedes Mitglied auf seinem letzten Weg musikalisch von seinem MVL begleitet wird. Seit dem Jahr 1969 wirkt Jürgen Ramin als musikalischer Leiter. Mit ihm wurden die alten Uniformen abgeschafft und im Jahr 1972 nach seinen Entwürfen die Tracht als Vereinskleidung eingeführt. Das Bußackerfest am Vatertag jährt sich in diesem Jahr zum 41. Mal und seit 1987 lenkt Werner Reile mit kurzer Unterbrechung als Erster Vorsitzender die Geschicke des Vereins. Einige Meilensteine seines unermüdlichen Einsatzes sind die Einführung einer jährlichen öffentlichen Musikprobe, Konzertreisen bis nach Schottland, Konzerte im Festspielhaus, die Verlegung des jährlichen Weihnachtskonzertes in den Bénazetsaal des Kurhauses Baden-Baden und die unerlässlich gewordene Erweiterung des Proberaumes im Jahr 2001. Im Jubiläumsjahr ist der Verein stolz auf seine eigene Jugendkapelle. Über 550 passive Mitglieder bilden den notwendigen starken Rückhalt in der Bevölkerung und ist mit insgesamt 135 aktiven Musikerinnen und Musikern fit für die Zukunft.

Lichtental im April 2014
Ansgar Gernsbeck

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